Bei Gruppen politisch aktiver Menschen besteht die Gefahr, dass sich Aktivismus-Dynamiken (Diskutieren, Organisieren, Verantwortung übernehmen) einfach fortsetzen. Es kann also hilfreich sein sich klare Struktur mit geschützten Rückzugsmöglichkeiten zu geben. Sprecht vorher darüber, wie ihr damit umgehen wollt, wenn – wer* nicht teilnehmen möchte, z.B. dass sich keine*r rechtfertigen oder erklären muss, wen eins etwas nicht mitmachen will. Das verhindert erneuten (Gruppen)druck, der viele im Aktivismus ohnehin ständig begleitet.
Tag 1 – Ankommen ohne Agenda
Kein Programm, keine Befindlichkeitsrunde, kein „Erzählmal, woran du gerade arbeitest“. Stattdessen: Ankommen in Stille, ein gemeinsamer ruhiger Spaziergang ohne Gesprächspflicht. Abends ein kurzer Kreis mit nur einer Frage: „Was brauche ich diese Tage am meisten?“ – jeder antwortet, ohne dass darauf reagiert oder diskutiert wird.
Tag 2 – Parallelstrukturen
Vormittags freie Zeit, die ihr allein oder mit mehreren verbringen könnt. Ideen: z.B. Yoga, Schreibzeit, Spaziergang allein, einfach schlafen.
Nachmittags eine gemeinsame Aktivität ohne Leistungsdruck – z. B. gemeinsam kochen oder draußen sein.
Vielleicht wollt ihr klare Zeiten vereinbaren, in denen niemand ansprechbar sein muss.
Tag 3 – Austausch in Kleingruppen
Statt großer Plenumsrunden: Wechselnde Zweier- oder Dreiergruppen, die sich Zeit für echten Austausch nehmen – moderiert durch einfache Fragen wie „Was trägt dich gerade, was erschöpft dich?“. Kleinere Gruppen verhindern, dass sich alte Rollen (Wortführerin, Vermittlerin) wiederholen.
Tag 4 – Abschluss und Übergang
Ein gemeinsames Ritual, z. B. eine Runde, in der jede*r einen Satz sagt, was eins mit nach Hause nimmt und was hier bleibt. Bewusst kein Ausblick auf „nächste Schritte“ oder Projekte.
3 Methoden speziell für Gruppen:
Rollen bewusst auflösen
Zu Beginn ansprechen, dass in diesen Tagen niemand die gewohnte Funktion (Organisator*in, Mediator*in, „starke Person“, … ) übernehmen muss. Das kann entlastend sein und Raum aufmachen für neue Verhaltensweisen. Dazu könnt ihr auch eine offene Runde mit der Frage: „Welche Rolle übernehme ich hier automatisch – auch wenn ich es gerade nicht möchte?“ Ohne Diskussion oder Feedback, nur zum Aussprechen.
Schweigezeiten als gemeinsame Vereinbarung
Feste Blöcke, in denen bewusst nicht gesprochen wird (z. B. beim Frühstück oder einem Spaziergang) – das nimmt den sozialen Erwartungsdruck raus und ermöglicht echte Regeneration, auch in Gesellschaft.
Gemeinsam runter kommen:
Alle sitzen oder stehen im Kreis, die Füße berühren sich, indem jeweils ein Fuß auf dem und ein Fuß unterm dem der Nachbar*innen ist. Oder die Füße stehen nebeneinander/aneinander – je nachdem, was sich stimmig anfühlt. Für ein paar Minuten in Stille bleiben, einfach den Kontakt spüren, ohne etwas tun oder sagen zu müssen.
Der Fußkontakt schafft eine körperliche Verbindung, die reguliert, ohne in Nähe oder Berührung zu drängen, die manchen zu viel sein könnte – die Füße sind ein Körperteil, das oft angenehmer und weniger exponiert für Körperkontakt ist als Hände oder Umarmung. Wichtig: Jede*r kann jederzeit den Kontakt lösen, ohne das erklären zu müssen.